Ein unterschätztes Detail

Die Griffstärke gehört zu den Faktoren im Tennis, die einmal festgelegt und dann über Jahre nicht mehr hinterfragt werden. Viele Spieler greifen automatisch zu dem, was ihnen im Laden empfohlen wird oder was „man eben spielt“.
Dabei hat die Griffstärke einen erheblichen Einfluss auf Kontrolle, Spielgefühl und Belastung – gerade im Match.


Warum viele Männer automatisch zu Griffstärke 3 oder 4 greifen

Bei erwachsenen Männern werden fast immer Griffstärke 3 oder 4 empfohlen.
Diese Empfehlung ist so weit verbreitet, dass sie selten hinterfragt wird – unabhängig von Spielstil, Rückhandtechnik oder persönlicher Anatomie.

Auch ich habe jahrelang mit diesen Größen gespielt, ohne sie ernsthaft zu überprüfen.
Erst mit zunehmender Matchpraxis und genauerem Hinsehen wurde klar, dass diese Standardempfehlung nicht für jeden Spieler sinnvoll ist.


Meine Erfahrung: kleiner Griff, mehr Kontrolle

Heute spiele ich selbst Griffstärke 1, die ich bei Bedarf über Overgrips individuell anpasse.
Der Unterschied liegt weniger in roher Kraft, sondern in Feingefühl, Anpassungsfähigkeit und Kontrolle – insbesondere bei höherem Tempo.

Gerade im Match hat sich gezeigt:

  • besseres Gefühl für den Treffpunkt
  • flexiblere Anpassung an unterschiedliche Spielsituationen
  • stabileres Schlaggefühl bei der einhändigen Rückhand

Der kleinere Grundgriff erlaubt es, die Griffstärke schrittweise und kontrolliert zu verändern – statt sich auf eine fixe Größe festzulegen.


Zu kleiner vs. zu großer Griff – die praktischen Unterschiede

Zu großer Griff

Ein zu großer Griff:

  • schränkt die Handbeweglichkeit ein
  • erschwert feine Anpassungen
  • macht Griffwechsel träger
  • lässt sich kaum sinnvoll verkleinern

Ist der Griff einmal zu groß gewählt, bleibt praktisch nur ein kompletter Schlägerwechsel.


Zu kleiner Griff

Ein etwas zu kleiner Griff:

  • erlaubt mehr Anpassung
  • lässt sich problemlos über Overgrips vergrößern
  • ist flexibler bei wechselnden Bedingungen
  • bietet mehr Spielraum für individuelle Feinabstimmung

Genau hier liegt der entscheidende Vorteil.


Ein kleiner Griff lässt sich vergrößern – ein großer kaum verkleinern

Aus praktischer Sicht gilt daher ein einfacher Grundsatz:

Lieber etwas zu klein starten als zu groß wählen.

Ein kleiner Griff kann:

  • mit einem Overgrip
  • oder mehreren Overgrips
    exakt an das gewünschte Gefühl angepasst werden.

Ein zu großer Griff hingegen ist in der Regel eine Sackgasse.


Griffstärke, Spielstil und Belastung

Die optimale Griffstärke hängt nicht nur von der Handgröße ab, sondern auch von:

  • Spieltempo
  • Spinanteil
  • Rückhandtechnik (ein- oder beidhändig)
  • Matchbelastung

Gerade bei einhändiger Rückhand und höherem Matchtempo kann ein etwas kleinerer, anpassbarer Griff mehr Sicherheit und Kontrolle bringen, ohne die Belastung unnötig zu erhöhen.


Warum viele Spieler jahrelang mit falscher Griffstärke spielen

Typische Gründe:

  • Standardempfehlungen ohne individuelle Anpassung
  • Gewohnheit
  • Angst vor Veränderung
  • falsche Gleichsetzung von Stabilität und Griffgröße

Dabei ist die Griffstärke einer der einfachsten Stellhebel, um das Spielgefühl zu verbessern – oft ohne Technikänderung.


Fazit

Die richtige Griffstärke ist kein Dogma, sondern eine individuelle Einstellungssache.
Gerade für erwachsene Spieler lohnt es sich, die gewohnte Griffgröße zu hinterfragen. Ein kleinerer Grundgriff mit der Möglichkeit zur Anpassung über Overgrips bietet deutlich mehr Flexibilität als eine von Beginn an zu große Griffstärke.

Wer bereit ist, diesen scheinbar kleinen Faktor bewusst zu betrachten, kann Kontrolle, Spielgefühl und Matchsicherheit spürbar verbessern.


  • Bewährte Overgrips und Basegrips zur Anpassung der Griffstärke
  • Schläger-Setups für einhändige Rückhand
  • Einfluss von Griffstärke und Bespannung auf Arm und Ellbogen


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